Sozialplan für Prinovis-Mitarbeiter
Gewerkschaft: Konzern lässt sich Schließung über 20 Millionen Euro kosten
DARMSTADT. Für annähernd 280 Beschäftigte der vor der Schließung stehenden Tiefdruckerei Prinovis in Darmstadt gibt es einen Sozialplan. Die Gewerkschaft Verdi rechnete am Dienstag vor, wenn alle Beschäftigten in Anspruch nähmen, was vereinbart wurde, müsste der Arbeitgeber 23,5 Millionen Euro zahlen.
Vereinbart wurde nach Verdi-Angaben unter anderem eine Gehaltsgarantie für drei Jahre, damit die Beschäftigten auch bei Annahme neuer Jobs im Unternehmen nicht weniger verdienen. Wer bereit ist, an anderen Prinovis-Standorten wie zum Beispiel Dresden oder Nürnberg zu arbeiten, wird beim Umzug zudem finanziell unterstützt.
Werner Mansholt, Darmstädter Fachanwalt für Arbeitsrecht und bei Prinovis Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite, fügte gestern hinzu, für einen Wechsel an einen anderen Standort kämen etwa 30 Beschäftigte in Frage. Die seit Anfang April laufenden Verhandlungen hätten sich als schwierig erwiesen. Dass am Ende ein sehr guter Sozialplan erreicht wurde, habe die Belegschaft auch ihrer großen Solidarität zu verdanken. Man habe nicht allein durch Warnstreiks Druck ausgeübt, sondern die Geschäftsleitung auch beeindruckt durch persönliche Schilderungen, welche Auswirkungen die Druckereischließung im engen Familienkreis zur Folge hätten. In der Spitze liege die Abfindungssumme für einen langjährigen Mitarbeiter bei 175 000 Euro.
Für über 50-Jährige besteht die Möglichkeit, zunächst in einer Transfergesellschaft unterzukommen und von dort aus einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Zudem wurden spezielle Übergangsregelungen für Betroffene ab dem 58. Lebensjahr ausgehandelt.
Europas größter Tiefdruckkonzern Prinovis hatte im Februar angekündigt, seine Druckerei in Darmstadt bis Jahresende zu schließen. Dort wurden vorrangig Zeitschriften und Kataloge gedruckt. Der Standort habe aufgrund seiner Größe und seiner Infrastruktur keine Zukunftsperspektive. Der Prinovis-Betriebsrat hatte die Entscheidung kritisiert und betont, der Standort schreibe schwarze Zahlen.
Die 2005 gegründete Prinovis Ltd. & Co. KG (Hamburg) hat derzeit gut 4000 Mitarbeiter. Bertelsmann und Gruner+Jahr halten nach Angaben des Unternehmenssprechers gemeinsam 74,9 Prozent der Anteile, Springer die restlichen 25,1 Prozent.
(Quelle: Darmstädter Echo, www.echo-online.de, 11.6.2008)
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