KANZLEI MANSHOLT & LODZIK
SCHÄFER RAANE CORNELIUS:
IHRE FACHANWÄLTE FÜR ARBEITSRECHT
Seit über 40 Jahren vertritt die Kanzlei Mansholt & Lodzik, Schäfer, Raane, Cornelius GbR mit Sitz in Darmstadt ausschließlich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in allen Bereichen des Arbeitsrechts sowie Betriebsräte und Personalräte.
Unsere Tätigkeit umfasst alle Branchen der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes. Wir beraten und vertreten in allen individualrechtlichen Fragen wie z.B. Kündigungen, Abmahnungen, Lohnklagen oder Zeugnissen. Auch die Beratung und Vertretung Leitender Angestellter und Geschäftsführer sind Teil unserer Praxis.
Im kollektivrechtlichen Bereich unterstützen wir Betriebsräte bei Sozialplanverhandlungen, Umstrukturierungen sowie allen übrigen betriebsverfassungsrechtlichen Themen und führen hierzu Schulungsveranstaltungen durch. Ferner sind wir mit der Beratung und gerichtlichen Vertretung von Personalräten beauftragt.
Wir sind Gründungsmitglied des Netzwerks für Arbeitnehmerrechte „BR-ANWÄLTE“ und kooperieren bundesweit mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, die sich auf das Arbeitsrecht für Arbeitnehmer spezialisiert haben.
Darüber hinaus arbeiten wir eng mit der IG Metall, ver.di, der IG BCE, der IG BAU, der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und sonstigen DGB-Gewerkschaften zusammen.
AKTUELLE NEWS DER KANZLEI MANSHOLT & LODZIK SCHÄFER RAANE CORNELIUS
2026:
12. August 2026: BAG: Besonderer Kündigungsschutz greift vor jedem Elternzeitabschnitt erneut
12. August 2026:
BAG: Besonderer Kündigungsschutz greift vor jedem Elternzeitabschnitt erneut
Arbeitnehmer können ihre Elternzeit auf mehrere Zeitabschnitte verteilen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat nun klargestellt, dass der besondere Kündigungsschutz in diesen Fällen nicht nur vor dem ersten, sondern vor jedem einzelnen Abschnitt erneut greift – selbst dann, wenn alle Zeiträume bereits mit einem einzigen Antrag beim Arbeitgeber angemeldet wurden (Urteil vom 18.06.2026, Az. 2 AZR 213/25).
Anlass für die Entscheidung war die Kündigung eines Arbeitnehmers, der seine Elternzeit auf mehrere Abschnitte aufgeteilt hatte. Die verschiedenen Zeiträume hatte er dem Arbeitgeber bereits gemeinsam mitgeteilt. Der Arbeitgeber kündigte jedoch noch vor Beginn eines späteren Elternzeitabschnitts und vertrat die Auffassung, der besondere Kündigungsschutz gelte nur einmalig vor dem ersten Abschnitt.
Das BAG folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Nach § 18 BEEG darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis ab dem Zeitpunkt, von dem an Elternzeit verlangt worden ist, grundsätzlich nicht kündigen. Wird die Elternzeit auf mehrere Abschnitte verteilt, greift dieser Kündigungsschutz vor jedem einzelnen Zeitabschnitt erneut. Entscheidend ist, dass für jeden Abschnitt ein eigenständiges Elternzeitverlangen vorliegt – auch wenn sämtliche Zeiträume in einem einzigen Schreiben angekündigt wurden.
Mit seiner Entscheidung schafft das BAG mehr Rechtssicherheit für Beschäftigte, die ihre Elternzeit flexibel gestalten möchten. Arbeitgeber können sich nicht darauf berufen, der Kündigungsschutz sei bereits mit dem ersten Elternzeitabschnitt „verbraucht“. Vielmehr besteht vor jedem beantragten Abschnitt erneut der gesetzliche Sonderkündigungsschutz.
Was können Arbeitnehmer daraus mitnehmen?
Das Urteil stärkt die Rechte von Beschäftigten, die ihre Elternzeit auf mehrere Zeiträume verteilen möchten. Wer seine Elternzeit frühzeitig und in mehreren Abschnitten plant, muss dadurch keine Schutzlücken beim Kündigungsschutz befürchten. Erhält ein Arbeitnehmer dennoch kurz vor einem späteren Elternzeitabschnitt eine Kündigung, sollte diese umgehend arbeitsrechtlich geprüft werden. Häufig bestehen gute Chancen, sich erfolgreich gegen die Kündigung zu wehren.
27. Juli 2026: BAG: Zeugnisvergleich grundsätzlich vollstreckbar
27. Juli 2026:
BAG: Zeugnisvergleich grundsätzlich vollstreckbar
Ein Arbeitszeugnis ist häufig ein zentraler Bestandteil eines gerichtlichen Vergleichs nach einer Kündigung. Mitunter vereinbaren die Parteien dabei, dass der Arbeitnehmer einen Zeugnisentwurf vorlegen darf, von dem der Arbeitgeber nur aus wichtigem Grund abweichen kann. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat nun klargestellt, dass eine solche Vereinbarung grundsätzlich vollstreckbar ist (Urt. v. 07.05.2026, Az. 8 AZB 25/25).
Dem Verfahren lag der Fall eines ehemaligen Geschäftsführers zugrunde, der im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens einen entsprechenden Vergleich geschlossen hatte. Nachdem der Arbeitgeber ein vom Entwurf abweichendes Zeugnis erteilt hatte, wollte der Arbeitnehmer die Ausstellung eines Zeugnisses nach seinem Entwurf mithilfe eines Zwangsgeldes durchsetzen.
Das BAG stellte zunächst klar, dass eine Vergleichsregelung, nach der der Arbeitnehmer einen Zeugnisentwurf vorlegen darf und der Arbeitgeber hiervon nur aus wichtigem Grund abweichen kann, hinreichend bestimmt und damit grundsätzlich zwangsweise durchsetzbar ist. Damit widersprach das Gericht der Auffassung des Landesarbeitsgerichts, das den Vergleich zuvor als nicht vollstreckbar angesehen hatte.
Dennoch blieb der Arbeitnehmer im konkreten Fall ohne Erfolg. Der Arbeitgeber hatte nachvollziehbar dargelegt, dass einzelne Formulierungen des Zeugnisentwurfs nicht der Wahrheit entsprachen. Das BAG stellte klar, dass solche inhaltlichen Einwände nicht im Zwangsvollstreckungsverfahren geklärt werden können. Bestehen berechtigte Zweifel an der Wahrheit oder Klarheit des Zeugnisses, muss darüber gegebenenfalls in einem gesonderten Klageverfahren entschieden werden.
Was können Arbeitnehmer daraus mitnehmen?
Die Entscheidung stärkt die Position von Arbeitnehmern bei gerichtlichen Vergleichen. Wird vereinbart, dass der Arbeitgeber ein Zeugnis nach einem vom Arbeitnehmer vorgelegten Entwurf erstellt, ist diese Regelung grundsätzlich durchsetzbar. Zeugnisentwürfe sollten dennoch sorgfältig formuliert werden. Übertreibungen oder unzutreffende Tätigkeitsbeschreibungen können dazu führen, dass der Arbeitgeber berechtigte Einwände erhebt und sich die Durchsetzung des Zeugnisses erheblich verzögert. Wer ein möglichst aussagekräftiges und zugleich rechtssicheres Arbeitszeugnis erhalten möchte, sollte daher bereits bei der Formulierung des Entwurfs fachkundige Unterstützung in Anspruch nehmen.
6. Juli 2026: BAG: Tarifnormen gelten nicht automatisch für alle Tochtergesellschaften
6. Juli 2026:
BAG: Tarifnormen gelten nicht automatisch für alle Tochtergesellschaften
Das Bundesarbeitsgericht hat klargestellt, dass ein Tarifvertrag in einem Gemeinschaftsbetrieb nur dann für alle beteiligten Unternehmen gilt, wenn jede einzelne Gesellschaft den Tarifvertrag auch tatsächlich unterzeichnet hat (BAG, Becshluss vom 25.11.2025 – 1 ABR 38/24). Eine bloße Vereinbarung zwischen Gewerkschaft und Holding reicht nicht aus, um die Tochtergesellschaften zu binden. Im entschiedenen Fall berief sich der Betriebsrat eines Hamburger Logistikunternehmens auf einen „Tarifvertrag zur Betriebsverfassung“, der ihm weitreichende Mitbestimmungsrechte einräumte. Dieser Vertrag war jedoch ursprünglich nur mit der damaligen Einzelgesellschaft geschlossen worden, dies lange bevor das Unternehmen zur Holding mit mehreren Tochtergesellschaften umstrukturiert wurde.
Als der Arbeitgeber eine Mitarbeiterin versetzte, machte der Betriebsrat geltend, die Maßnahme sei wegen des tariflichen Mitbestimmungsrechts unwirksam. Doch das BAG stellte fest, dass der Tarifvertrag nie für den gesamten Gemeinschaftsbetrieb gegolten habe. Weder die spätere Konzernbildung noch die bloße Zugehörigkeit der Tochtergesellschaften zum Gemeinschaftsbetrieb führten automatisch zu einer Tarifbindung. Eine Weitergeltung nach § 4 Abs. 5 TVG komme nur in Betracht, wenn der Tarifvertrag zuvor bereits für alle beteiligten Arbeitgeber gegolten hätte – was hier nicht der Fall war. Auch eine wirksame Vertretung der Tochtergesellschaften durch die Holding konnte das Gericht nicht erkennen, da diese nicht als Tarifvertragsparteien aufgeführt waren und ihr Wille zur Bindung nicht anderweitig dokumentiert wurde.
Was können Betriebsräte daraus mitnehmen?
Für Betriebsräte zeigt die Entscheidung deutlich, dass tarifliche Mitbestimmungsrechte in Gemeinschaftsbetrieben nur dann greifen, wenn wirklich alle beteiligten Unternehmen den Tarifvertrag abgeschlossen haben. Weder Konzernstrukturen noch die gemeinsame Betriebsführung führen automatisch zu einer Tarifbindung der Tochtergesellschaften. Betriebsräte sollten daher genau prüfen, wer Tarifvertragspartei ist, bevor sie sich auf tarifliche Beteiligungsrechte berufen. Gerade in Konzernen mit komplexen Strukturen ist es wichtig, die Tariflandschaft im Blick zu behalten und frühzeitig darauf hinzuwirken, dass alle relevanten Gesellschaften Tarifverträge ausdrücklich mitunterzeichnen. Das Urteil macht klar: Ohne formale Tarifbindung gibt es auch keine tariflichen Mitbestimmungsrechte – selbst wenn der Betrieb nach außen als Einheit auftritt.
18. Juni 2026: Persönliche E Mail Adressen für Betriebsratsmitglieder – auch ohne Gremiumsbeschluss
18. Juni 2026:
Persönliche E‑Mail‑Adressen für Betriebsratsmitglieder – auch ohne Gremiumsbeschluss
Das LAG Niedersachsen hat entschieden, dass einzelne Betriebsratsmitglieder einen eigenständigen Anspruch auf eine persönliche E‑Mail‑Adresse haben können – auch ohne vorherigen Beschluss des gesamten Gremiums (LAG Niedersachsen: Urteil vom 25.05.2025, Az. 17 TaBV 62/24). Im zugrunde liegenden Fall stellte der Arbeitgeber nur einigen Beschäftigten und ausgewählten Betriebsratsmitgliedern personalisierte Postfächer zur Verfügung, während andere Mitglieder lediglich eine zentrale Betriebsratsadresse nutzen mussten. Diese sahen darin eine Einschränkung ihrer Möglichkeit, Beschäftigte vertraulich, sicher und zeitnah zu erreichen. Der Arbeitgeber argumentierte, Ansprüche auf Sachmittel könnten nur vom Gremium als solchem beschlossen werden. Da ein Betriebsratsbeschluss fehle, bestehe also kein Anspruch.
Das LAG Niedersachsen stellte klar, dass § 40 Abs. 2 BetrVG keine Beschränkung auf das Gremium vorsieht. Da Betriebsratsarbeit maßgeblich durch einzelne Mitglieder erfolgt, können diese notwendige Arbeitsmittel selbst geltend machen, wenn sie Aufgaben eigenverantwortlich wahrnehmen. Ein Beschluss sei nur dort erforderlich, wo der Betriebsrat als Einheit handelt. Würde man einen Beschluss zur Voraussetzung machen, könnten Mehrheiten im Gremium notwendige Mittel einzelner Mitglieder blockieren und es widerspräche der unabhängigen Amtsführung eines jeden Betriebsratsmitglieds. Zudem betonte das LAG, dass personalisierte E‑Mail‑Adressen für eine vertrauliche und effiziente Kommunikation erforderlich und die Kosten hierfür gering sind.
Was können Betriebsräte daraus mitnehmen?
Die Entscheidung zeigt, dass Arbeitgeber nicht frei bestimmen können, welche Kommunikationsmittel einzelnen Betriebsratsmitgliedern zur Verfügung stehen. Mitglieder, die eigenständig Aufgaben wahrnehmen, können selbst Ansprüche auf erforderliche Sachmittel geltend machen – unabhängig von Mehrheitsverhältnissen im Gremium. Das Urteil macht deutlich, dass zeitgemäße digitale Erreichbarkeit kein „Bonus“ sondern eine Voraussetzung für wirksame Interessenvertretung ist.
26. Mai 2026: Urlaub auf zwei Wochen begrenzen? Unzulässig, sagt das LAG Thüringen
26. Mai 2026:
Urlaub auf zwei Wochen begrenzen? Unzulässig, sagt das LAG Thüringen
Arbeitgeber dürfen zusammenhängenden Urlaub nicht generell auf zwei Wochen begrenzen. Das hat das Landesarbeitsgericht Thüringen mit Beschluss vom 2. März 2026 (Az. 4 Ta 15/26) entschieden. Eine solche starre Regel verstößt gegen das Bundesurlaubsgesetz.
Eine Arbeitnehmerin beantragte Urlaub vom 1. bis 25. März 2026. Der Arbeitgeber lehnte ab – mit dem Hinweis, im Betrieb würden grundsätzlich nie mehr als zwei Wochen am Stück genehmigt. Nachdem bereits das Arbeitsgericht Nordhausen ihr Recht gegeben hatte, verweigerte der Arbeitgeber weiterhin die Freistellung. Die Arbeitnehmerin erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung. Das LAG verpflichtete den Arbeitgeber, den Urlaub zumindest für den Zeitraum 3.–25. März zu gewähren.
Das Landesarbeitsgericht stellte in seiner Entscheidung klar, dass Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz grundsätzlich zusammenhängend zu gewähren ist und eine pauschale Begrenzung auf zwei Wochen dem gesetzlichen Leitbild widerspricht. Eine Aufteilung des Urlaubs kommt nur dann in Betracht, wenn tatsächlich dringende betriebliche Gründe oder Gründe in der Person des Arbeitnehmers vorliegen. Solche Gründe müssen Arbeitgeber im Einzelfall konkret darlegen; allgemeine Hinweise auf betriebliche Praxis, Personalmangel oder organisatorische Schwierigkeiten reichen dafür nicht aus. Zudem betonte das Gericht, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Anspruch auf längeren Urlaub auch im einstweiligen Rechtsschutz durchsetzen können, auch wenn dies die Hauptsache praktisch vorwegnimmt, da ansonsten der Urlaubszeitraum irreversibel verloren wäre.
Was können Arbeitnehmer daraus mitnehmen?
Für Beschäftigte stärkt die Entscheidung die Durchsetzung ihres Urlaubsanspruchs erheblich. Der Gesetzgeber sieht ausdrücklich vor, dass Urlaub im Regelfall zusammenhängend zu gewähren ist. Arbeitgeber müssen daher im Einzelfall nachvollziehbar darlegen, warum ein längerer Zeitraum als zwei Wochen ausnahmsweise nicht möglich sein soll. Allgemeine Hinweise auf Personalmangel oder betriebliche Gepflogenheiten reichen dafür nicht aus. Wird ein Antrag dennoch pauschal abgelehnt, besteht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit, ihren Anspruch im einstweiligen Rechtsschutz durchzusetzen – selbst dann, wenn dies faktisch einer Vorwegnahme der Hauptsache gleichkommt. Das Urteil zeigt damit deutlich: Wer seinen Urlaub rechtzeitig beantragt und nur mit pauschalen Argumenten abgewiesen wird, hat gute Chancen, seinen Anspruch erfolgreich durchzusetzen.
12. Mai 2026: EuGH: Kirchenaustritt allein kein Kündigungsgrund bei Caritas
12. Mai 2026:
EuGH: Kirchenaustritt allein kein Kündigungsgrund bei Caritas
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass die Caritas einer Mitarbeiterin nicht allein wegen ihres Austritts aus der katholischen Kirche kündigen darf – insbesondere dann nicht, wenn die Kirche gleichzeitig nicht-katholische Mitarbeiterinnen in derselben Position beschäftigt. Das Urteil stärkt die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in kirchlichen Einrichtungen und schränkt das bislang weitreichende kirchliche Selbstbestimmungsrecht ein (Urteil vom 17.03.2026, Az. C-258/24).
Im zugrunde liegenden Fall arbeitete eine Sozialpädagogin in der Schwangerschaftsberatung der Caritas. Nach der Elternzeit trat sie aus der katholischen Kirche aus, vor allem wegen des besonderen Kirchgeldes der Diözese Limburg. Kurz darauf drohte ihr der Arbeitgeber mit Kündigung, falls sie nicht wieder der Kirche beitrete. Die Frau klagte mit Erfolg vor dem Arbeitsgericht Wiesbaden und dem Landesarbeitsgericht. Nach Revision der Beklagten legte das Bundesarbeitsgericht die Grundfragen des kirchlichen Arbeitsrechts dem EuGH vor.
Der EuGH stellte klar: Die Mitgliedschaft in der Kirche ist nicht automatisch eine „wesentliche“ Voraussetzung für die Ausübung einer Tätigkeit, wenn nicht-katholische Personen dieselbe Arbeit bereits verrichten. Eine Kündigung allein wegen Austritts verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz aus Art. 4 Abs 1 u. 2 der Gleichbehandlungsrahmenrichtline 2000/78/EG (RiLi) und als Diskriminierung aufgrund der Religionsfreiheit, Art. 10 Abs. 1, Art. 21 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Gleichzeitig betonte das Gericht, dass die Caritas das Recht hat, ihr eigenes Ethos zu wahren. Es liegt am Arbeitgeber, nachzuweisen, dass der Austritt tatsächlich die wesentlichen Interessen der Kirche gefährdet.
Entscheiden wird den Fall nun das BAG in Erfurt. Nach dessen Ansicht war die Kündigung eine Ungleichbehandlung unmittelbar aus Gründen der Religion. Die Frage war, ob diese gerechtfertigt ist.
Was können Arbeitnehmer daraus mitnehmen?
Wer in kirchlichen Einrichtungen arbeitet, genießt auch bei einem Kirchenaustritt Schutz vor Diskriminierung, insbesondere wenn nicht-katholische Kollegen in vergleichbaren Positionen beschäftigt werden. Entscheidend ist, dass der Arbeitgeber darlegt, warum die Mitgliedschaft in der Kirche für die konkrete Tätigkeit unbedingt erforderlich ist. Das Urteil macht deutlich: Der Kirchenaustritt allein reicht nicht für eine Kündigung.
24. April 2026: BAG: Pauschale Freistellungsklauseln im Arbeitsvertrag sind unwirksam
24. April 2026:
BAG: Pauschale Freistellungsklauseln im Arbeitsvertrag sind unwirksam
Wenn ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter kündigt, kann es für den Arbeitgeber taktisch sinnvoll erscheinen, ihn bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses bezahlt freizustellen. Doch was passiert, wenn der Arbeitnehmer während dieser Zeit weiterhin seinen Firmenwagen nutzen möchte? Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden, dass pauschale Freistellungsklauseln in Arbeitsverträgen unwirksam sein können, weil sie Beschäftigte unangemessen benachteiligen. Gleichzeitig bedeutet das aber nicht automatisch, dass ein Anspruch auf Beschäftigung besteht – eine Interessenabwägung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist weiterhin erforderlich (Urteil vom 25.03.2026, Az. 5 AZR 108/25).
In dem zugrunde liegenden Fall hatte ein langjähriger Mitarbeiter nach seiner Kündigung seinen Dienstwagen behalten wollen, obwohl der Arbeitgeber ihn freigestellt und das Auto zurückgefordert hatte. Der Arbeitsvertrag enthielt eine pauschale Freistellungsklausel, die den Arbeitgeber berechtigte, den Mitarbeiter „bei oder nach Ausspruch einer Kündigung – gleich von welcher Seite“ freizustellen, während die Vergütung weiterlief. Das Arbeitsgericht wies die Klage ab, das Landesarbeitsgericht (LAG) Niedersachsen sprach jedoch eine Nutzungsentschädigung zu.
Das BAG stellte nun klar, dass die Klausel als Allgemeine Geschäftsbedingung (AGB) der Inhaltskontrolle nach § 307 BGB unterliegt und im Ergebnis unwirksam ist. Grund dafür: Die Klausel beraubt den Arbeitnehmer seines grundrechtlich geschützten Interesses an Beschäftigung bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses, ohne dass eine Abwägung mit den Interessen des Arbeitgebers stattfindet. Die Sache wurde daher an das LAG zurückverwiesen, das nun prüfen muss, ob andere berechtigte Interessen des Arbeitgebers eine Freistellung trotz unwirksamer Klausel rechtfertigen. Dies darf eben nicht pauschal durch AGB, sondern muss individuell festgelegt werden.
Was können Arbeitnehmer daraus mitnehmen?
Formularklauseln zur pauschalen Freistellung sind nicht rechtswirksam. Wer freigestellt wird, sollte prüfen, ob die Freistellung auf einer unzulässigen Klausel basiert, und rechtlichen Rat einholen. Gleichzeitig gilt: Auch ohne wirksame Klausel kann eine Freistellung zulässig sein, wenn Interessen des Arbeitgebers an der Freistellung den Interessen des Beschäftigten an der Beschäftigung bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses überwiegen. Das Urteil macht deutlich, dass Arbeitnehmer ihre Rechte kennen und im Zweifel auf eine sorgfältige Interessenabwägung pochen sollten.
15. April 2026: BAG-Urteil: Kündigungen bei Massenentlassungen ohne Anzeige oft unwirksam
15. April 2026:
BAG-Urteil: Kündigungen bei Massenentlassungen ohne Anzeige oft unwirksam
Arbeitgeber, die bei Massenentlassungen ihre Informationspflichten missachten, setzen sich einem erheblichen rechtlichen Risiko aus. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden, dass Kündigungen unwirksam sein können, wenn keine rechtzeitige Massenentlassungsanzeige an die Bundesagentur für Arbeit erfolgt (BAG, Urt. v. 01.04.2026, Az. 6 AZR 152/22). Auch wenn die Anzeige bereits vor Abschluss des Konsultationsverfahrens mit dem Betriebsrat verschickt wurde, sind die Kündigungen nicht rechtens. Grundlage für die Entscheidung waren zwei Fälle aus Nordrhein-Westfalen, in denen zuvor der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Anforderungen an Massenentlassungsanzeigen präzisiert hatte. (Urt. v. 30.10.2025, Tomann C-134/24 und Sewel C-402/24)
Bei Massenentlassungen geht es arbeitsrechtlich nicht nur um eine große Zahl von Beschäftigten, sondern um einen gesetzlich definierte Anzahl an Entlassungen in Abhängigkeit von der Größe des jeweiligen Betriebs (vgl. § 17 Abs. 1 KSchG). Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitsagentur rechtzeitig zu informieren und gleichzeitig den Betriebsrat in die Planung einzubeziehen (vgl. § 17 Abs. 2 u. 3 KSchG). Werden diese Pflichten verletzt, haben Arbeitnehmer gute Chancen, gegen die Kündigungen vorzugehen und ihre Rechte geltend zu machen.
Was können Arbeitnehmer daraus mitnehmen?
Wer von einer Massenentlassung betroffen ist, sollte zunächst prüfen, ob der Arbeitgeber die Massenentlassungsanzeige korrekt eingereicht und den Betriebsrat ordnungsgemäß konsultiert hat. Verstöße bieten eine solide Grundlage für eine Kündigungsschutzklage. Im Zweifel lohnt es sich, kurzfristig den Betriebsrat oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht einzuschalten, um die eigenen Ansprüche zu sichern und gegen eine solche Kündigung vorzugehen. Dieses Urteil macht deutlich: Arbeitnehmer müssen ihre Rechte nicht nur kennen, sondern auch aktiv wahrnehmen, um im Fall einer Massenentlassung abgesichert zu sein.
Februar 2026: Artikel aus dem Darmstädter echo über Werner Mansholt
Februar 2026:
2025:
5.11.2025: Religionsfreiheit – Kirchenmitgliedschaft darf Einstellungsvoraussetzung sein
5.11.2025:
NEWS-SERVICE der Kanzlei MANSHOLT & LODZIK SCHÄFER RAANE CORNELIUS:
Religionsfreiheit: Kirchenmitgliedschaft darf Einstellungsvoraussetzung sein
Das Bundesverfassungsgericht hat einer Verfassungsbeschwerde eines kirchlichen Arbeitgebers stattgegeben, die sich gegen ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts richtet. Das BAG hatte 2018 einer konfessionslosen Bewerberin eine Entschädigung wegen der Vermutung einer Benachteiligung wegen ihrer Religion zugesprochen.
Das war der Fall
Gegenstand der Verfassungsbeschwerde war die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein kirchlicher Arbeitgeber für eine konkret zu besetzende Stelle die Mitgliedschaft in der Kirche verlangen darf und inwieweit die staatlichen Gerichte dies im Hinblick auf das religiöse Selbstbestimmungsrecht des Arbeitgebers überprüfen können.
Das sagt das Gericht
Das BAG-Urteil (Aktenzeichen 8 AZR 501/14) verletzt den kirchlichen Arbeitgeber in seinem religiösen Selbstbestimmungsrecht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 140 Grundgesetz (GG) und Art. 137 Abs. 3 Satz 1 Weimarer Reichsverfassung (WRV), weil die bei der Anwendung der Schrankenbestimmung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) vorgenommene Güterabwägung dem religiösen Selbstbestimmungsrecht des Beschwerdeführers nicht in dem verfassungsrechtlich gebotenen Umfang Rechnung trage, so das BVerfG.
Der Senat stellt klar, dass bei dem nach grundrechtlichen Maßstäben vorzunehmenden Ausgleich zwischen den Belangen religiöser Arbeitgeber und der Arbeitnehmer das Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union aus dem Vorlageverfahren (das das BAG geführt hatte) zu berücksichtigen ist. Die Anpassung der Auslegung und Anwendung des nationalen Rechts an die Vorgaben des unionsrechtlichen Rahmens ist zwingend.
Der Vorrang des Unionsrechts entfällt auch nicht wegen eines denkbaren Ultra-vires-Akt des EuGH-Urteils. Es bestehen auch im Hinblick auf die Reichweite des Selbstbestimmungsrechts der Religionsgemeinschaften im Bereich des Arbeitsrechts keine unüberwindbaren Widersprüche zwischen dem nationalen Verfassungsrecht und dem Unionsrecht.
Daher muss das BAG in der Sache erneut entscheiden. Im Rahmen des von der Klägerin angestrengten Revisionsverfahrens hatte das BAG zunächst ein Vorabentscheidungsverfahren gemäß Art. 267 AEUV vor dem Gerichtshof der Europäischen Union eingeleitet, um die Auslegung von Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 2000/78/EG (Gleichbehandlungsrichtlinie) klären zu lassen.
Mit Urteil vom 17. April 2018 hatte der EuGH entschieden, dass die Ablehnung eines Bewerbers wegen dessen Religion, die nach der Art der betreffenden Tätigkeiten eine wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung angesichts des Ethos dieser Kirche oder Organisation darstelle, Gegenstand einer wirksamen gerichtlichen Kontrolle sein könne.
Die Kontrolle der Einhaltung der in Art. 4 Abs. 2 Gleichbehandlungsrichtlinie festgelegten Kriterien liefe ins Leere, wenn sie in Zweifelsfällen keiner unabhängigen Stelle wie einem staatlichen Gericht obläge. Es obliege den nationalen Gerichten zu entscheiden, ob und inwieweit eine nationale Rechtsvorschrift wie § 9 Abs. 1 AGG im Einklang mit Art. 4 Abs. 2 Gleichbehandlungsrichtlinie ausgelegt werden könne oder unangewendet bleiben müsse.
Daraufhin sprach das BAG der abgelehnten Bewerberin eine Entschädigung zu; § 9 Abs. 1 Alt. 1 AGG sei nicht mit den unionsrechtlichen Vorgaben vereinbar und müsse unangewendet bleiben. Auch § 9 Abs. 1 Alt. 2 AGG könne die unterschiedliche Behandlung wegen der Religion nicht rechtfertigen. Die Kirchenmitgliedschaft eines Bewerbers sei nach der Art der Tätigkeit oder den Umständen ihrer Ausübung hier nicht als wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung zu werten.
Zweistufenprüfung durch EuGH-Urteil verschärft
Bei Gegenüberstellung der Belange des religiösen Arbeitgebers auf der einen und der Bewerberin auf der anderen Seite ist aufgrund des Vorrangs des Unionsrechts der durch Art. 4 Abs. 2 Gleichbehandlungsrichtlinie nach Maßgabe des EuGH gesetzte Rahmen zu berücksichtigen. Dies lässt sich über eine unionsrechtskonforme Auslegung der einschlägigen nationalen Bestimmungen umsetzen und führt zu einer Konkretisierung der bisherigen verfassungsgerichtlichen Maßstäbe für die Zweistufenprüfung.
Hierbei ist von den Gerichten zu überprüfen, ob ein direkter Zusammenhang zwischen der aufgestellten beruflichen Anforderung – hier der Kirchenmitgliedschaft – und der fraglichen Tätigkeit besteht, der dem Selbstverständnis der Organisation entspringt und entspricht. Der Religionsgemeinschaft obliegt es, diesen Zusammenhang für die konkret betroffene Tätigkeit im Hinblick auf ihr religiöses Selbstverständnis plausibel darzulegen.
Die auf der zweiten Stufe erfolgende Gesamtabwägung der betroffenen rechtlichen Belange erfährt eine Konturierung dahingehend, dass die in Rede stehende berufliche Anforderung im Hinblick auf die konkrete Tätigkeit für die Wahrung des religiösen Selbstverständnisses geeignet, erforderlich und angemessen im engeren Sinn, also verhältnismäßig sein muss. Je größer die Bedeutung der betroffenen Position für die religiöse Identität der Religionsgemeinschaft nach innen oder außen, desto mehr Gewicht besitzt der von der Kirche in Wahrnehmung ihres Selbstbestimmungsrechts vorgetragene Belang und ein daraus abgeleitetes Erfordernis der Kirchenmitgliedschaft. Je weniger Relevanz die jeweilige Position für die Verwirklichung des religiösen Ethos hat, desto eher wird dem Diskriminierungsschutz Vorrang eingeräumt.
Nach den genannten Maßstäben verletzt das Urteil des BAG den Beschwerdeführer in seinem religiösen Selbstbestimmungsrecht, weil die bei der Anwendung des § 9 Abs. 1 Alt. 2 AGG vorgenommene Güterabwägung dem religiösen Selbstbestimmungsrecht des Beschwerdeführers nicht in dem verfassungsrechtlich gebotenen Umfang Rechnung trägt.
Das BAG hatte nicht hinreichend das eigene Religionsverständnis des Arbeitgebers berücksichtigt, sondern eigene Maßstäbe angesetzt. Mangels Berücksichtigung des plausibel – und damit ausreichend – dargelegten christlichen Profils der verfahrensgegenständlichen Stelle überspannt das BAG in der Folge bei der Anwendung der einzelnen Tatbestandsmerkmale des § 9 Abs. 1 Alt. 2 AGG die nach Maßgabe der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union zu beachtenden Vorgaben zulasten des religiösen Selbstbestimmungsrechts. Indem das Gericht seine Sicht auf die ausgeschriebene Tätigkeit und deren Zusammenhang mit der Kirchenmitgliedschaft an die Stelle der Sicht des Beschwerdeführers setzt, wird das Interesse des Beschwerdeführers nicht in der verfassungsrechtlich gebotenen Weise gewichtet.
Auch soweit das BAG ausführt, dass die vom Beschwerdeführer formulierte berufliche Anforderung nicht gerechtfertigt ist, trägt es dem religiösen Selbstbestimmungsrecht nicht ausreichend Rechnung. Das Gericht geht davon aus, dass der Beschwerdeführer weder eine Gefahr der Beeinträchtigung seines Rechts auf Autonomie noch seines Ethos dargetan habe. Auch insoweit ist nicht erkennbar, dass die Sicht des Beschwerdeführers auf den Inhalt und die Bedeutung der Aufgabe überhaupt in die Prüfung eingeflossen ist.
Quelle: © bund-verlag.de (mst)
10.7.2025: zum 6. Mal hintereinander ... Stern-Auszeichnung – Beste Anwaltskanzleien
10.7.2025:
NEWS-SERVICE der Kanzlei MANSHOLT & LODZIK SCHÄFER RAANE CORNELIUS:

2024:
23.9.2024: Kiffen auf dem Weg zur Arbeit?
23.9.2024:
NEWS-SERVICE der Kanzlei MANSHOLT & LODZIK SCHÄFER RAANE CORNELIUS:
15.7.2024: Stern-Auszeichnung – Beste Anwaltskanzleien
15.7.2024:
NEWS-SERVICE der Kanzlei MANSHOLT & LODZIK SCHÄFER RAANE CORNELIUS:

31.5.2024: Vorsicht bei der Kommunikation in privaten Chatgruppen mit Arbeitskolleg*innen
31.5.2024:
NEWS-SERVICE der Kanzlei MANSHOLT & LODZIK SCHÄFER RAANE CORNELIUS:
Vorsicht bei der Kommunikation in privaten Chatgruppen mit Arbeitskolleg*innen
Das BAG hat mit Urteil vom 24.8.2023 (Az. 2 AZR 17/23) entschieden, dass ein Arbeitnehmer, der sich in einer aus sieben Mitgliedern bestehenden privaten Chatgruppe in stark beleidigender, rassistischer, sexistischer und zu Gewalt aufstachelnder Weise über Betriebsangehörige äußert, sich im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses nur im Ausnahmefall auf eine berechtigte Vertraulichkeitserwartung berufen kann. Er muss dann besonders darlegen, warum er berechtigt erwarten durfte, seine Äußerungen würden von keinem Beteiligten an Dritte weiter gegeben.
Sachverhalt:
Der Kläger war seit 2014 Teil einer Chatgruppe mit fünf anderen Angestellten. Im November 2020 wurde ein ehemaliger Kollege als weiteres Mitglied in die Gruppe aufgenommen und gehörte dieser in der Zeit von November 2020 bis Januar 2021 an. Laut der vorherigen Instanz waren alle Mitglieder der Gruppe „langjährige Freunde“, wobei zwei von ihnen miteinander verwandt waren. Neben persönlichen Themen äußerte der Kläger, ebenso wie mehrere andere Gruppenmitglieder, beleidigende und abfällige Kommentare über Vorgesetzte und Arbeitskollegen. Teilweise wurden sogar Gewaltaufrufe gegen Vorgesetzte und Kollegen getätigt. Der ehemalige Kollege enthüllte den Chat-Verlauf. Als die Beklagte zufällig davon erfuhr, kündigte sie das Arbeitsverhältnis des Klägers fristlos.
Sowohl das erstinstanzliche Gericht als auch das Berufungsgericht haben der Kündigungsschutzklage des Klägers stattgegeben.
Entscheidung:
Die Revision der Beklagten wurde vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) erfolgreich durchgesetzt. Das Berufungsgericht hatte fehlerhaft angenommen, dass der Kläger ein berechtigtes Vertrauen in die Vertraulichkeit der ihm vorgeworfenen Aussagen hatte.
Ein solches Vertrauen in die Vertraulichkeit ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Mitglieder der Chatgruppe erwarten können, dass ihre Kommunikation vertraulich bleibt und besonders geschützt ist. Dies hängt von den Inhalten der Nachrichten sowie der Größe und Zusammensetzung der Gruppe ab. Wenn die Nachrichten – wie in diesem Fall – beleidigende und herabwürdigende Äußerungen über Mitarbeiter des Unternehmens enthalten, muss besonders dargelegt werden, warum der Arbeitnehmer erwarten durfte, dass diese Informationen von keinem Gruppenmitglied an Dritte weitergegeben werden.
Grobe Beleidigungen des Arbeitgebers oder seiner Vertreter und Repräsentanten oder von Arbeitskollegen, die eine erhebliche Ehrverletzung für den Betroffenen bedeuten, stellen eine erhebliche Pflichtverletzung dar, die eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen kann.
Allein der Umstand, dass die Äußerungen in einer privaten Chatgruppe gefallen sind, führt nicht dazu, dass keine Verletzung vertraglicher Pflichten vorliegt, da sie auf Vorgesetzte und Kollegen und damit auf betriebliche Umstände bezogen sind. Grundsätzlich können auch ehrverletzende Äußerungen über nicht anwesende Dritte in engen Lebenskreisen eine beleidigungsfreie Sphäre haben. Die Bedingung dafür ist, dass die Äußerung Ausdruck besonderen Vertrauens ist und es keine begründete Möglichkeit ihrer Weitergabe besteht.
Art. 2 I GG garantiert die freie Entfaltung der Persönlichkeit, Privatsphäre, einschließlich vertraulicher Kommunikation.
Entscheidend für den grundrechtlichen Schutz der Vertrauensbeziehung ist allerdings, dass ein Verhältnis zwischen den an der Kommunikation beteiligten Personen besteht, das dem Verhältnis vergleichbar ist, wie es in der Regel zu nahestehenden Familienangehörigen besteht.
Bei diffamierenden oder ehrverletzenden Äußerungen über Vorgesetzte und/oder Kollegen, die eine außerordentliche fristlose Kündigung an sich rechtfertigen, müssen die Umstände berücksichtigt werden, unter denen sie gefallen sind. Geschah dies in vertraulichen Gesprächen unter Arbeitskollegen, vermögen sie eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht ohne Weiteres zu rechtfertigen.
Entscheidend ist, ob der Arbeitnehmer sicher davon ausgehen durfte, dass seine Kollegen die Äußerungen für sich behalten würden. Eine solche berechtigte Vertraulichkeitserwartung trifft aber nicht ohne Weiteres auf alle Gesprächssituationen unter Arbeitskollegen gleichermaßen zu. Bei beleidigenden und menschenverachtenden Äußerungen über Betriebsangehörige bedarf es einer besonderen Darlegung, warum der Arbeitnehmer angesichts der Größe und Zusammensetzung des beteiligten Personenkreises berechtigt erwarten durfte, seine Äußerungen würden von keinem Gruppenmitglied an Dritte weitergegeben. In einer Konstellation wie der vorliegenden wird eine berechtigte Vertraulichkeitserwartung daher nur im Ausnahmefall in Betracht kommen.
Hinweis für Arbeitnehmer:
Insgesamt zeigt dieses Urteil, dass die Annahme einer berechtigten Vertraulichkeit in Chatgruppen am Arbeitsplatz nicht automatisch gegeben ist, insbesondere wenn die ausgetauschten Nachrichten beleidigend oder abfällig über Arbeitskollegen sind. Das Bundesarbeitsgericht hat klargestellt, dass die Erwartung an Vertraulichkeit von verschiedenen Faktoren abhängt, wie der Größe der Gruppe, ihrer Zusammensetzung und der Art des genutzten Kommunikationsmediums.
Arbeitnehmer sollten sich bewusst sein, dass Kommunikation in Chatgruppen und insbesondere auf betrieblich bezogene Umstände getätigte Äußerungen in Chatgruppen potenziell nicht vertraulich sind. Sie sollten daher vorsichtig sein, welche Informationen sie teilen und sicherstellen, dass ihre Kommunikation respektvoll und professionell ist.
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